Wir alle schieben Dinge hier und da mal auf. Das ist ganz normal, auch wenn das Aufschieben von unangenehmen Aufgaben nicht besonders klug ist. Problematisch wird es aber dann, wenn sich dieses Verhaltensmuster festigt und das Aufschieben zur Gewohnheit wird. Prokrastination schafft zwar Entspannung im Moment aber Probleme, Stress und Druck in der Zukunft. Minderwertigkeitskomplexe und Leistungsdruck fördern das Aufschieben von unangenehmen Tätigkeiten. Besonders unter Studenten ist das Prokrastinieren eine größere Sache.

Krankheitsbild und Definition

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Den meisten ist es besser bekannt unter dem Volkswort: „Aufschieberitis“. Die Steigerungsform, wenn das Aufschieben von Tätigkeiten krankhafte Ausmaße angenommen hat, nennen Wissenschaftler Prokrastination. Ein Großteil von uns verschiebt Aufgaben, die uns in dem Moment als Unangenehm vorkommen oder ein hohes maß an Aufmerksamkeit und Konzentration benötigen.

Es handelt sich hierbei tendenziell um eine schlechte Gewohnheit. Prokrastination kann aber auch pathologische Ausmaße annehmen. Emotionen spielen beim Aufschieben eine zentrale Rolle. Erwachsene, welche unter ADHS leiden, haben in rund der Hälfte aller Fälle ebenfalls Probleme mit Prokrastination (Quelle: hier).

Programmierung: Wohlbefinden.

Dinge Aufschieben – jeder kennt es und macht es. Am klügsten wäre es die Dinge auf der Stelle zu erledigen. So leicht ist es aber leider nicht. Unsere Programmierung sagt schließlich: Wohlbefinden ist das A und O, und zwar im Moment und nicht langfristig gesehen. Wir sind auf Wohlbefinden gepolt und versuchen unangenehmes zu meiden, seien es Menschen, Dinge oder Tätigkeiten. Wenn wir dann bereit zum Prokrastinieren sind, suchen wir uns schließlich eine passende Alternative, kurzsichtig betrachtet scheint dies zu Funktionieren, könnten wir aber in die Zukunft blicken, dann wird schnell klar, dass es in einem Chaos enden wird.

Gründe der Prokrastination

Es lassen sich zusammenhänge zwischen dem Aufschieben und unseren Gedanken, Gefühlen und Handlungen sehen.

Zeit

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Betrachtet man das Aufschieben kurzsichtig, dann schafft es Platz und Zeit für wichtigere oder angenehmere Dinge. Durch das Verschieben wird Freiraum geschaffen und unangenehmes für den Moment verdrängt.

Langfristig betrachtet, hat es ein paar negative Folgen, wie Zeitdruck, Stress, Unzufriedenheit oder das Verpassen von Terminierten abgaben. Grundsätzlich führt all dies zu schlechten Arbeitsergebnissen. Diese Folgen sind im Moment des Verschiebens, in den meisten Fällen, noch unklar oder zu weit in der Ferne.

Gefühlsebene

Wir verschieben besonders gerne Tätigkeiten, welche unangenehme, allgemein negative Gefühle, bei uns auslösen. Stichwort aus der Schulzeit: Hausaufgaben.

Je öfter Sie Tätigkeiten Aufschieben, als desto negativer werden diese für sich selber Wahrnehmen und mit jedem mal wird es ihnen leichter fallen diese Aufgabe „bequem“ in die Zukunft zu verlegen.

Ein weiterer Faktor zu Prokrastinieren ist Angst. Das trifft unter anderem bei der Vorbereitung von Präsentationen, Reden und Prüfungen zu. Allgemein überall, wo sich eine Angst zu versagen entwickeln kann. Weiteres verschieben rettet Ihren Moment und fördert nur, dass Sie das nächste Mal ebenfalls dieselbe oder eine ähnliche Aufgabe meiden werden.

Geistige Ebene

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Die eigene Einstellung wirkt sich außerordentlich stark auf unser Verhalten und unsere Gefühle aus. Das ist wichtig, wenn wir beachten, dass die Gedanken ein grundlegender Faktor sind, wie wir Dinge Wahrnehmen und über Sie denken. Wenn Sie mit einer „Das schaffe ich eh’ nicht“, „Ich arbeite nur unter Stress gut“, an Ihre Aufgabe herantreten, dann ist es in den meisten Fällen besser diesen Gedanken keinen Glauben zu schenken.

Wie Sie das Problem in den Griff bekommen können.

Wenn Sie zwölf oder mehr Stunden am Tag arbeiten und keine Zeit für Freizeitaktivitäten haben, dann lässt sich nur etwas freie Zeit und Erholung durch das Prokrastinieren verschaffen.

Arbeiten Sie an einem ausgeglichenem Arbeits-, Freizeit Verhältnis. Analysieren Sie Ihr leben und leiten Sie die ersten Schritte ein.

Anti-Prokrastinationsmethode

Diese Methode soll Ihre Selbststeuerungsfähigkeit verbessern. Wenden Sie die Techniken auf ein von Ihnen gewähltes Projekt an, implementieren Sie nicht direkt alle auf einmal, sondern gehen Sie Schritt für Schritt an die Sache heran. Wöchentlich, zu einem festen Termin, sollten Sie neue Methoden hinzufügen.

Methode 1: Analyse

Fangen Sie mit einer ausführlichen, schriftlichen Analyse an, in welcher Sie festhalten, was Sie zu dem bisherigen Zeitpunkt alles erreicht haben und wie Sie sich dabei selber im Weg standen.

Sobald Sie damit fertig sind, wählen Sie ein Projekt aus, an welchem Sie die Methoden anwenden wollen. Danach starten Sie mit einer detaillierten Projektplanung. Beobachten Sie sich, während des Projektes, zielorientiert, ehrlich und selbstreflektiert. Sollten Sie Anzeichen dafür sehen, dass Sie drohen zu Prokrastinieren, dann protokollieren sie diese und versuchen Sie den Grund dafür zu analysieren. Zukünftig kennen Sie den Grund und können gegen ihn Maßnahmen ergreifen.

Methode 2: Mindset

Vermeiden Sie negative Gedanken, welche das Aufschieben einer Aufgabe rechtfertigen würden. Das gilt auch für Demotivierende Gedanken wie „Das schaffe ich eh nicht!“, „Das kann Ich einfach nicht!“, denn Zweifel lässt Sie scheitern. Daher protokollieren Sie Ihre Gedanken, und wie oft Sie Prokrastiniert haben, achten Sie des Weiteren darauf ein produktives Mindset beizubehalten.

Methode 3: Restriktion

Setzten Sie sich ein Zeitfenster an einem Projekt Ihrer Wahl, um motiviert zu bleiben. Das könnte zum Beispiel wie folgt aussehen: von 9 bis 10 Uhr und 12 bis 13 Uhr sein.

Den Zweck, den wir damit verfolgen ist, Sie motiviert zu halten und die Work-Life-Balance wiederherzustellen. Bei der Planung achten Sie auf Ihre Pausen, die Uhrzeit/Tageszeit und allgemeine Betätigung. Wechseln Sie die Zeitfenster gelegentlich wöchentlich, damit Ihnen nicht langweilig wird und Ihnen selber keinen Grund zu geben, warum Sie nun Prokrastinieren sollten.

Methode 4: Pünktlichkeit

Wer nicht pünktlich ist, der ist zu prokrastinieren gezwungen. Daher stellen Sie sich einen Wecker, Anruf et cetera. Setzten Sie einen klaren beginn der Arbeitszeit und Ihnen wird die Verbindlichkeit Ihrer Tätigkeit bewusst. Kombiniert mit einem routinierten Ritual wirkt diese Methode noch besser gegen den Drang zu prokrastinieren, und Ihr Erfolg ist garantiert.